Design der Zukunft - Latour

Design der Zukunft – eine Sondierung der Lektüre Latours

Zusammenfassung
Bruno Latour gibt der Designtheorie explizit und implizit mehrfach etwas zu denken bzw. zu überdenken auf. Einerseits ist es die Hinwendung zu den Dingen in Form der ANT (Akteur-Netzwerk-Theorie), die zur Zeit breit in den Designdiskurs einwandert. Andererseits seine Positionierung der Zukunftsgestaltung im Modus des Designs als explizite Verlangsamung und Behutsamkeit.
Wenn wir nie modern gewesen sind, eine der zentralen Thesen von Latour, stellen sich für das Design zumindest zwei zentrale Fragen, die an dessen Kern rühren. Erstens: Wer führt Mischungen von Wissenschaft und Gesellschaft durch, sind es nicht die DesignerInnen? Sind sie es, welche die magische Komponente der angeblichen Moderne durchführen? Ist die kulturelle Rolle des Designs – als zentrale Rolle der (angeblichen) Moderne – überhaupt bereits angedacht? Ist Design unsere zeitgenössische Form des Umgangs mit Unbestimmtheiten? Zweitens: Müssen wir nicht auch den Begriff – und das Selbstverständnis – der Moderne im Design und auch in der Kunst in Frage stellen? Waren wir im Design nie wirklich modern?
Ausgehend von solchen Fragestellungen und pointierten Zuspitzungen der Theorieansätze Bruno Latours problematisiert der Text Begriffe und Praktiken des Designs neu. Dabei wird auch die Frage nach der Erweiterung des Dingbegriffs im Kommunikationsdesign wichtig sein, dieser Designbereich wird nämlich in den Theorien im Umfeld der ANT zumeist ausgeblendet. Latour spricht von einer Soziologie Zwei – was wäre eine Designtheorie Zwei bzw. ein Design Zwei?

Hubert Matt studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Innsbruck und promovierte 1985 mit einer Arbeit über Jean Améry. Neben seiner Tätigkeit als Künstler und Philosoph arbeitete er als Journalist, Ausstellungsgestalter, Kurator und Lektor an den Universitäten Innsbruck und Graz (Fakultäten für: Philosophie, Kunstgeschichte, Architektur). Er ist seit 2000 Hochschullehrer an der Fachhochschule Vorarlberg für Design und Designtheorie und verantwortet die Ausrichtung Arts&Science im Masterstudium Intermedia.
Blog: www.vzell.wordpress.com

Der vorliegende Text ist das leicht bearbeitete Manuskript des Vortrags „Design der Zukunft - Versuche nach der Lektüre Latours“, der am 02. Juni 2012 im Rahmen des Symposiums „Design der Zukunft“ an der DHBW Ravensburg gehalten wurde. Eine bearbeitete und gekürzte Fassung erscheint im Frühjahr 2014 in: Cornelia Lund und Holger Lund (Hrsg.): Design der Zukunft, avedition, Ludwigsburg 2014 – siehe: http://www2.avedition.de/de/Bucher/Katalog/399

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